Dermatologie & Allergologie
Hauterkrankungen (Kinder): Diagnose
In den ersten Lebensjahren können zahlreiche dermatologische Krankheitsbilder auftreten. Es werden im Folgenden nur die häufigsten und wichtigsten besprochen.
Erythema toxicum neonatorum
Ätiologie
Wahrscheinlich Anpassungsprobleme der Haut beim Wechsel vom intrauterinen feuchten Milieu auf das extrauterine Klima
Symptome
- Fleckiges Erythem, das zu flächenhaften Rötungen konfluiert
- manchmal auch Papeln oder urtikarielle Plaques
Differentialdiagnose
- Staphylogene Periporitis
- infektionsbedingte Exantheme
Miliaria junger Säuglinge
Ätiologie
Verschluss der Schweißporen, vor allem bei übermäßiger Wärmeexposition (zu warme Kleidung, Fieber, hohe Außentemperaturen)
Symptome
- Miliaria cristallina: winzige weiße oder hautfarbene Bläschen
- Miliaria rubra: rötliche Bläschen
Differentialdiagnose
- Akne neonatorum
- Follikulitis
Komplikationen
Staphylogene Periporitis (Papeln, Pusteln und Abszesse durch Staphylokokken-Besiedelung von Miliaria rubra)
Impetigo bullosa und Dermatitis exfoliativa
(Syn.: SSSS – Staphylococcal scalded skin syndrome, staphylogenes Lyell-Syndrom)
Definition
Durch Exotoxin von Staphylococcus aureus ("Exfoliatin") hervorgerufene lokale bzw. generalisierte Ablösung des Stratum corneum (Epidermolyse).
Symptome
- Zunächst fleckige Rötung, dann Entwicklung schlaffer, leicht verletzlicher Blasen
- nach Platzen der Blasen sieht Haut "verbrüht" aus
- bei Dermatitis exfoliativa positives Nikolski-Zeichen
![]() |
|
Dermatitis exfoliativa neonatorum =
Morbus Ritter von Rittershain (Mit freundlicher Genehmigung Roche AG) |
Diagnostik
- Erreger-Suche durch Blutkultur (im Blaseninhalt keine Bakterien nachweisbar!)
- Allgemeine Infektionsdiagnostik (Blutbild, CRP etc.)
Differentialdiagnose
- Medikamentöses Lyell-Syndrom
- Epidermolysis bullosa
- Stevens-Johnson-Syndrom
Prognose
In der Vor-Antibiotikaära schlecht, jetzt bei frühzeitiger Therapie gut
Impetigo contagiosa
(siehe auch Hauterkrankungen, bakterielle)
Definition
Durch Streptokokken hervorgerufene, hochkontagiöse oberflächliche Pyodermie
Symptome
- Anfangs Eiterbläschen, im weiteren Verlauf honiggelbe Krusten auf gerötetem Grund
- Prädilektionsstellen sind das Gesicht, der behaarte Kopf und das Gesäß
Diagnostik
Erregeridentifizierung über Hautabstrich
Komplikationen
Bei Beteiligung von A-Streptokokken als Nachkrankheit Glomerulonephritis möglich.
Windeldermatitis
Definition
Nicht-allergische, kumulativ-toxische entzündliche Hautreaktion im Windelbereich durch irritierende körpereigene oder körperfremde Noxen.
Ätiologie
Als auslösende oder begünstigende Faktoren kommen in Frage
- Mazeration der Haut durch (bakteriell) zersetzten alkalischen Harn und Stuhl; erhöhtes Risiko bei sauren und dyspeptischen Stühlen
- Seltener Windelwechsel, Waschmittelrückstände in Stoffwindeln, ungenügende Reinigung von Stoffwindeln (keine ausreichende Keimentfernung)
- Luftabschluss durch Plastik- oder Gummihöschen
Symptome
- Beginn meist mit flächenhafter Rötung, dann Entwicklung von Papulovesikeln mit Tendenz zur Konfluation
- Vollentwickelte Herde häufig rötlich-schuppend, nässend oder krustig
- Bei längerfristigem Bestehen manchmal derbe, gerötete Papeln oder Knötchen
- Gelegentlich Ausbreitung psoriasiformer Streuherde über den gesamten Körper ("napkin dermatitis")
Differentialdiagnose
- Seborrhoische Dermatitis, atopische Dermatitis, Psoriasis vulgaris
- Primäre Candidiasis, Syphilis
- Histiozytosis X (makulopapulöse, oft schuppende, manchmal hämorrhagische Effloreszenzen)
Komplikationen
- Bakterielle Superinfektion, z. B. mit Staphylokokken
- Sekundäre Candida-Infektion (in ca. 80 % der Fälle!)

Candidiasis (Soor)
(siehe auch Pilzinfektionen)
Ätiologie
- Ubiquitär vorkommende Candida-Spezies vermehren sich auf der Mundschleimhaut, im Magen-Darm-Kanal und siedeln sich auf der äußeren Haut an
- bevorzugt werden durch chemische oder physikalische Faktoren belastete Körperstellen (Windelbereich, große Hautfalten) und vorgeschädigte Haut (Superinfektion bei Windeldermatitis)
- Mundsoor des Neugeborenen kann durch Infektion im Geburtskanal entstehen.
Symptome
- Schleimhaut: weißliche, an Milchreste erinnernde, abstreifbare Beläge auf düsterroter Schleimhaut
- Äußere Haut: kleine, oft eröffnete Pusteln konfluieren zu großen roten Herden; randständig satellitenartige, frische Pusteln und Pustelreste (typische "Schuppenkrausen")
Diagnostik
Meist entbehrlich; nur in unklaren Fällen Hautabstrich und Nachweis im Stuhl
Differentialdiagnose
Einfache Windeldermatitis oder Intertrigo, Psoriasis vulgaris, seborrhoische Dermatitis
Seborrhoische Dermatitis
(siehe auch Ekzem-Sonderformen)
Ätiologie
Nicht sicher geklärt, diskutiert werden
- Hormonelle Faktoren
- Mikrobielle Faktoren: ekzematoide pilzallergische Reaktion ("Candidid")
Anamnese
- Beginn im ersten Trimenon (meist 3.–4. Lebenswoche)
- kein Juckreiz
Symptome
- "Kopf-Gneis": panzerartige Schuppung der Kopfhaut, vor allem an Scheitel, Stirn-Haar-Grenze und hinter den Ohren; nach Ablösung der Schuppen oft gerötete, nässende Haut
- Seborrhoische Dermatitis im engeren Sinn: erythematöse, scharf begrenzte, konfluierende Herde, die meist von fettig-gelblichen, festhaftenden Schuppen bedeckt sind
- Prädilektionsstellen sind große Hautfalten, Gelenkbeugen, Genitoanalbereich und Stamm
- Erythrodermia desquamativa: generalisierte Rötung und Schuppung der Haut
- ungünstige Verlaufsformen mit Durchfällen, Malabsorption, Abwehrschwäche, Sekundärinfektionen und evtl. tödlichem Ausgang möglich!
Differentialdiagnose
- Einfache Windeldermatitis oder Intertrigo
- Candidiasis
- Psoriasis vulgaris
- atopisches Ekzem
- Skabies
- Histiozytosis X
Atopisches (endogenes) Ekzem, Neurodermitis
(siehe auch Ekzem)
Definition
Chronische oder chronisch-rezidivierende entzündliche Hauterkrankung mit genetischer Komponente.
Häufigkeit
- 3–4 %
- bei 60 % aller betroffenen Kinder Erstmanifestation im 1. Lj.
Ätiopathogenese
- Letztlich unklar, wahrscheinlich multifaktorielle Genese; beteiligt sind
- Polygene Vererbungsmechanismen
- Nicht-immunologische Faktoren, wie verminderte Talgdrüsenaktivität, abnorme Schweißreaktion, chronische Besiedlung der Haut mit Staphylococcus aureus, abnorme Irritierbarkeit der Haut durch unspezifische Stimulantien
- Immunologische Faktoren, wie allergische Reaktionsbereitschaft, zelluläre Immundefekte
- Psychosomatische Faktoren
Anamnese
- Familienanamnese (in 60–70 % der Fälle positiv für atopische Erkrankungen)
- Beginn (selten vor 3. Lebensmonat)
- Ernährungsanamnese, evtl. Schubauslöser (z. B. Nahrungsmittel, Wolle)
Symptome
- Starker Juckreiz (wahrscheinlich primäre Veränderung), nächtliche "Kratzorgien"
- Milchschorf: Belag der Kopfhaut mit Schuppen auf rotem Untergrund (von seborrhoischen Veränderungen schwer zu unterscheiden)
- Hauterscheinungen am sonstigen Körper: umschriebene Rötungen (zuweilen von Schuppen oder Krusten bedeckt) und/oder hautfarbene bis rötliche Papeln; Effloreszenzen häufig zerkratzt, nässend und/oder superinfiziert; bei chronifiziertem Ekzem Verhärtung und Vergröberung der Haut (Lichenifizierung)
- Prädilektionsstellen: bei Säuglingen Gesicht, Hals und Streckseite der Extremitäten, bei Kleinkindern auch Beugen der großen Gelenke, Hände und Füße; prinzipiell jede Lokalisation möglich
- Allgemeine Symptome der atopischen Diathese: trockene Haut (Xerosis), zentrale Gesichtsblässe, weißer Dermographismus, doppelte Lidfalte, Fehlen der lateralen Augenbrauen, verstärkte Palmarlinien
- Verhornungsstörung, ichthyosiform, Keratosis pilaris, Pityriasis alba
Diagnostik (weitere Diagnostik von sehr untergeordneter Bedeutung beim Kleinkind)
- Blutbild, IgE (nicht konstant erhöht!)
- Suche nach auslösenden Allergenen über RAST-Tests und Prick-Tests (vor allem Hühnereiweiß, Kuhmilcheiweiß, Hausstaubmilben, Weizenmehl, Soja)
Differentialdiagnose
- Seborrhoisches Ekzem, Psoriasis vulgaris
- Skabies, Candidiasis
- Histiozytosis X
- Stoffwechsel- und Immundefekte mit Ekzembildung
Komplikationen
- Bakterielle und mykotische Superinfektion
- Ekzema herpeticatum (Superinfektion mit Herpesviren)
- Mollusca contagiosa
Prognose
- In ca. 50 % der Fälle Ausheilung bis zum Ende des 2. Lj.
- In ca. 30 % der Fälle späteres Hinzutreten anderer atopischer Manifestationen (Asthma bronchiale, Heuschnupfen etc.)
Differentialdiagnose zwischen atopischem Ekzem und seborrhoischer Dermatitis
| Atopische Dermatitis | Seborrhoische Dermatitis | |
| Familiäre Häufung | Ja | Nein |
| Beginn | Selten vor dem 3. Lebensmonat | Erste Lebenswochen |
| Verteilung | Im 1. Jahr Gesicht und Streckseiten der Glieder, später Gelenkbeugen | Behaarter Kopf, Gelenkbeugen, Genitoanalbereich |
| Effloreszenzen | Erythem, Papeln, Bläschen, später Lichenifikation | Erythem mit fettigen Schuppen |
| Pruritus | Stark | Fehlend oder schwach |
| Verlauf | Chronisch-rezidivierend | Verschwinden nach einigen Wochen oder Monaten |
Hämangiome
Definition
Gutartige Neubildung von Blutgefäßen (sog. Blutschwamm), entweder bei Geburt oder Entwicklung in den ersten Lebenswochen, zunächst meist stecknadelkopfgroß.
Klinisch unterscheidet man kutane, subkutane und gemischte Form der (kavernösen) Hämangiome. Genaue Beobachtung sehr wichtig, da bei raschem Wachstum, fehlendem spontanem Stillstand ehestmöglich an Hautklinik überwiesen werden muss! (siehe Therapie)
Letztes Update:9 März, 2009 - 13:54









